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11. Lymphkliniktag Wolfsberg

Am 17. und 18. April 2026 fand in Wolfsberg der 11. Lymphkliniktag statt unter der Kongressleitung von Prim.a Dr. med. BeritPayer und der wissenschaftlichen Leitung von emer. Prim. Dr. med. Christian Ure.

Die Veranstaltung fand im Zeichen der neu verabschiedeten AWMF-S3-Leitlinie Lymphödem statt, die erstmals den höchsten evidenzbasierten Standard für die Versorgung lymphologischer Patientinnen und Patienten abbildet. Über 280 Ärztinnen und Ärzte, therapeutische Fachkräfte sowie medizinische Fachangestellte nutzten das Symposium als Plattform, um die Leitlinieninhalte praxisnah zu diskutieren und deren Bedeutung für den klinischen Alltag einzuordnen. Ergänzt wurde das Programm durch ICG-Workshops unter der Leitung von Prof. Jean-Paul Belgrado, PhD, sowie eine Klinikbesichtigung, die zusätzliche Einblicke in diagnostische und therapeutische Abläufe vor Ort ermöglichte. Die S3‑Leitlinie ist das Ergebnis eines mehrjährigen, interdisziplinären Projekts und baut auf der bisherigen S2k‑Leitlinie auf. Prof. Dr. Michael Koller betonte ihren Charakter als systematisch entwickelte Entscheidungshilfe für konkrete klinische Fragestellungen. Die Leitlinieninhalte wurden in acht Arbeitsgruppen vorgestellt: 

Arbeitsgruppe 1 – Definition, Epidemiologie, Pathophysiologie

Ao. Univ. Prof. Dr. med. univ. Erich Brenner machte deutlich, dass wesentliche Inhalte der bisherigen S2k-Leitlinie überholt seien. Eine zentrale Neuerung sei die aktualisierte Definition des Lymphödems als Folge einer Funktionsminderung des Lymphgefäßsystems mit interstitieller Flüssigkeitsansammlung und nachfolgender Zunahme fibroadipösen Gewebes. Danach erläuterte Dr. rer. nat. Dr. med. René Hägerling die genetischen Grundlagen primärer Lymphödeme und deren klinische Relevanz. Diese würden in vier Kategorien unterteilt: syndromale Erkrankungen, systemische Beteiligung, kongenitaler Beginn und Late-Onset-Formen.

Arbeitsgruppe 2 – Basisdiagnostik

Dr. Ure stellte die Basisdiagnostik mit Anamnese, Inspektion und Palpation vor und verwies auf eine ergänzende Checkliste in der Leitlinie. Dr. med. Gabriele Faerber unterstrich die Bedeutung der Differenzialdiagnostik, insbesondere zur Abgrenzung gegenüber Lipödem und Adipositas. Da Adipositas die Entstehung eines Lymphödems begünstigen könne, sei sie eine relevante Komorbidität.

Arbeitsgruppe 3 – Weiterführende Diagnostik

Den Stellenwert weiterführender Diagnostik zur Diagnosesicherung sowie zur Planung operativer Maßnahmen betonte Dr. med. Wolfgang J. Brauer. Prof. Jean-Paul Belgrado, PhD, zeigte anhand von Fallbeispielen den Nutzen der ICG-Lymphographie (Indocyaningrün) auf, um pathologische Lymphabflussmuster und mögliche Ursachen zu identifizieren und daraus individualisierte therapeutische Schritte abzuleiten. Arbeitsgruppe 4 – Konservative Therapie

Dr. med. Stephan Wagner hob hervor, dass die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie weiterhin den Goldstandard der konservativen Lymphödemtherapie darstelle. Neu sei die klare Empfehlung, bei allen Formen des Lymphödems und gleichzeitiger Adipositas eine Gewichtsreduktion anzustreben. Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. rer. nat. Andreas Rössler und Prof. Dr. med. Claus C. Pieper präsentierten eine Pilotstudie zur Reduktion natriumreicher Flüssigkeit im Gewebe mittels manueller Lymphdrainage. MRT-Aufnahmen zeigten bereits nach 60 Minuten eine Mobilisierung und Reduktion von Salz im Gewebe. Weitere Studien seien sinnvoll, denn der Ansatz weise auf ein mögliches neues therapeutisches Ziel hin.

Arbeitsgruppe 5 – Chirurgische Therapie

Hier stellte Prof. Dr. med. Gunther Felmerer heraus, dass operative Verfahren – analog zur konservativen Therapie – vor allem auf eine Verbesserung der Lebensqualität abzielten und eine sorgfältige Indikationsstellung voraussetzten. EOA DDr. Maximilian Neuwirth ordnete die resektive Lymphödemchirurgie ein und betonte deren überwiegend additive Rolle zu mikrochirurgischen Techniken. Assoc.-Prof. PD Dr. med. Chieh-Han John Tzou, MBA, verwies auf supermikrochirurgische Optionen wie lymphovenöse Anastomosen mit nachhaltigen therapeutischen Effekten und unterstrich die Bedeutung kombinierter Therapiekonzepte. Prof. Dr. med. Manuel E. Cornely rief zu einer Intensivierung der Forschung in der Lymphologie auf und berichtete über Liposuktionen bei sekundärem Lymphödem Stadium II/III mit dem Ziel, die Balance zwischen den Gliedmaßen zu verbessern, Erysipele zu verhindern und die Lebensqualität zu steigern.

Arbeitsgruppe 6 – Prävention

Die Relevanz von Frühdiagnostik und Prävention betonte Univ. FÄ Dr. med. Elisabeth K. Trapp. Insbesondere bei onkologischen Patientinnen und Patienten seien systematische Aufklärung und engmaschige Kontrolle entscheidend, um irreversible Verläufe zu verhindern. Schulung und Sensibilisierung der Betroffenen seien zentrale Bausteine.

Arbeitsgruppe 7 – Psychosoziale Aspekte

Katharina Loibnegger-Traußnig, MSc, wies darauf hin, dass chronische Erkrankungen – einschließlich des Lymphödems – mit relevanten Belastungen in unterschiedlichen Lebensbereichen einhergehen könnten. Rehabilitative Maßnahmen zielten auf die Verbesserung der Lebensqualität und der aktiven Teilhabe am sozialen Leben.

 Arbeitsgruppe 8: Patientenleitlinie – Wenn Lymphologie verständlich wird

Als neue Komponente der AWMF-S3-Leitlinie Lymphödem stellte Dr. med. Michael Oberlin die Patientenleitlinie vor. Sie solle Betroffenen ein besseres Verständnis der Erkrankung vermitteln, die korrekte Umsetzung zentraler Therapiebausteine unterstützen, Warnzeichen frühzeitig erkennbar machen und die langfristige Adhärenz fördern. Als wichtige Ergänzung benannte er Selbsthilfegruppen für mehr Austausch und gegenseitige Unterstützung. PD Dr. med. Anett Reißhauer wies darauf hin, dass das kindliche Lymphödem hoch selten sei und aufgrund der bislang sehr begrenzten Studienlage nicht in die neue Leitlinie aufgenommen werden konnte. Auch hier könnten vernetzende Strukturen – insbesondere Selbsthilfegruppen – zur Orientierung und Unterstützung beitragen. MUDr. Ewald Ambrózy, PhD, unterstrich die Bedeutung von Compliance und Adhärenz für den Therapieerfolg. Neben einer adäquaten Kompressionsversorgung seien dafür insbesondere ein nachvollziehbares Krankheitsverständnis sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem behandelnden Fachpersonal entscheidend. Den Abschluss bildete Physiotherapeutin Cornelia Kügele, MSc MEd, mit dem Schwerpunkt Selbstmanagement, das sie als „fünfte Säule“ der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie einordnete. Auch sie betonte die Relevanz von Selbsthilfegruppen und verwies auf unterstützende Innovationen wie Nachtversorgung und Medizinische adaptive Kompressionssysteme für mehr Selbstständigkeit der Betroffenen.

Der 11. Lymphkliniktag Wolfsberg verdeutlichte, dass die neue S3-Leitlinie Lymphödem nicht nur einen wesentlichen Meilenstein für die Lymphologie darstellt, sondern zugleich einen praxisrelevanten Handlungsrahmen für eine moderne, patientenzentrierte und zukunftsorientierte Versorgung definiert. emer. Prim. Ure und Prim.a Payer luden abschließend zum 12. Wolfsberger Lymphkliniktag am 16. und 17. April 2027 ein, der den Schwerpunkt auf das Brust- und Arm-Lymphödem legen wird.

Julius Zorn GmbH

Juzo mit Hauptsitz im bayerischen Aichach wurde 1912 in Zeulenroda (Thüringen) gegründet und beschäftigt weltweit über 1.100 Mitarbeitenden. Mit der Schwesterfirma in den USA und den verschiedenen Tochterfirmen und Vertriebsorganisationen in Europa und Kanada bedient der Hersteller medizinischer Hilfsmittel einen internationalen Markt. Als Spezialist mit über 100 Jahren Erfahrung in der Kompressionstherapie hat Juzo es sich zur Aufgabe gemacht die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und Beschwerden nachhaltig zu lindern. Dafür produziert das Unternehmen innovative Produkte – größtenteils „Made in Germany“ – aus den Bereichen Phlebologie, Lymphologie, Narbenmanagement und Orthopädie wie Kompressionsversorgungen in Rund- und Flachstrick sowie Bandagen und Orthesen. Neben den Produkten der Fachhandels-Marke Juzo gibt es die Juzo Akademie mit Fortbildungen für den medizinischen Fachhandel, die Marke sportomedix mit hochfunktionellen Produkten für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler und die Marke EquiCrown mit medizinischen Kompressionsbandagen für Pferde. Mit Hightech, Handarbeit und Herzblut arbeiten die Mitarbeitenden bei Juzo an innovativen und individuellen Lösungen für mehr Lebensfreude in Bewegung. Weitere Infos unter juzo.de

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